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Filialkirche St.Nikolaus Straß

Kirche_Strass.jpg (77442 Byte)Das spätere Kirchdorf Straß wird erstmals 930 als „Straze" erwähnt. Die Bezeichnung weist auf die Lage an der Verbindungsstraße zwischen Salzburg und Teisendorf-Traunstein hin, der alten Römerstraße, die von Iuvavum nach Bedaium (Seebruck) und weiter in Richtung Augsburg führte. Zu beiden Seiten des Straßenverlaufes häufen sich die Fundstellen aus römischer Zeit. So sind auch aus Straß und der näheren Umgebung römische Bodenfunde bekannt.

930 übergibt der edelfreie Priester Engilbert an Erzbischof Odalbert eigenen Besitz zu „Timinperch" im Isengau und erhält dafür u. a. Straß („Straza iuxta Perahach"), wobei die Hube zu Straß als verwüstet bezeichnet wird. Das Jahr darauf (931) gibt er diesen Besitz wieder an den Erzbischof zurück. Zu Beginn des 12. Jahrhunderts werden als Ortsherren die Edelfreien Gotschalk und Engilschalk genannt, die ihren Besitz zu Straß („Strazza") dem Kloster St. Peter in Salzburg schenken. Im Urbar dieses Klosters werden im 12. Jahrhundert aufgeführt ein ganzer und ein halber Hof sowie eine Mühle zu Straß.

 

Bau und Ausstattung der Kirche

Nicht nur der Ortsname weist auf die Straßensiedlung hin, sondern auch das Patrozinium der dem hl. Nikolaus geweihten Kirche: Nikolaus als Patron der Kaufleute und Handlungsreisenden sowohl auf den Land- als auch auf den Wasserstraßen (s. St. Nikola in Oberndorf an der Salzach). Nikolaus-Patrozinien sind typisch für hochmittelalterliche Straßenorte.

Die nördlich der Straße, auf einer kleinen Anhöhe gelegene, ehemals von einer Friedhofmauer umgebene Kirche dürfte in ihren heutigen Ausmaßen zur Zeit der Spätgotik (um 1450) entstanden sein, in ihrem Ursprung aber weiter zurückreichen, was durch systematische Bodenuntersuchungen zu klären wäre. So fand sich 1959 anläßlich der Trockenlegung des durchfeuchteten Mauerwerks im Inneren der Kirche, nahe dem Eingang, eine Begräbnisstätte, die auf den Friedhof einer kleineren Vorgängerkirche hinweist.

Über Bau und Ausstattung der Kirche sind nahezu keine Archivalien vorhanden; die Kirchenrechnungen beginnen erst mit dem Jahre 1751 und erweisen sich zudem als sehr lückenhaft, weshalb keine Angaben über die bauliche Entwicklung und die für die Kirche tätigen Handwerker und Künstler gemacht werden können.

Der Grundriß der 1749 unter Verwendung des vorhandenen Baubestandes wesentlich veränderten Kirche weist noch den auf den spätgotischen Vorgängerbau zurückgehenden Dreiachtel-Chorschluß auf. Auch der Außensockel an der Süd-, Ost- und Nordseite spricht für die miteinbezogene gotische Bausubstanz, während der westliche Turm — mit Ausnahme des Untergeschosses — seine heutige Gestalt erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erhalten hat.

Baubeschreibung

Der rechteckige Innenraum der Kirche besteht aus vier durch drei breite Gurtbänder gebildete Joche mit Tonnengewölbe und Spitzkappen. Die Längswände sind gegliedert durch gering vorgesetzte Pilaster mit profilierten Kapitellen. Die vorderen drei Gewölbefelder weisen geschwungene Stuckumrahmungen auf und waren wohl ursprünglich als Rahmen für eine Deckenbemalung vorgesehen. Hinter der waagrecht abschließenden Ostwand die zweigeschoßige, im Grundriß trapezförmige Sakristei, deren Obergeschoßfenster mit ihrer feinen Stuckumrahmung zu beiden Seiten des Altars ein die Ostwand gliederndes Element darstellen. Im rückwärtigen Joch Empore, darunter Zugang zum Glockenhaus des Turmes, spitzbogiges Gewölbe mit altem Pflaster aus Högler Sandstein.

Hochaltar, wahrscheinlich nach 1750. Das Altarbild stellt den von Engeln umgebenen hl. Nikolaus auf einer Wolkenbank dar, darüber die hl. Dreifaltigkeit, darunter Ansicht von Straß (s. Beitrag von 5. Schamberger). Im Gebälk, oberhalb des Gemäldes, Wappen eines Fürsten von Harrach, der sich als Stifter des Altares verewigt hat (vielleicht ist der Altar, der keine einheitliche Konzeption aufweist, von einem anderen Ort hierher gelangt). Im Auszug Kreuz (wohl nicht ursprünglich), von Puttenköpfen umgeben, darüber Monogramm IHS im Strahlenkranz. Zu beiden Seiten des Altarbildes Figur der hl. Margaretha (links) und der hl. Barbara (rechts), wohl anstelle ehemals kleinerer Plastiken. Drehtabernakel, spätes 18. Jahrhundert, um 1959 auf der Auer Dult in München erworben. An der Rückwand des Altares großformatiges Gemälde (Öl auf Leinen) mit Darstellung eines schwebenden Engels mit einem Kranz von Rosen (schlechter Erhaltungszustand).

An der Ostwand, unterhalb der Sakristeifenster, barocke Figuren der hl. Stephanus und Laurentius (letzterer etwas kleiner). Im Kirchenraum links spätgotische Madonna (1959 restauriert durch Bildhauer Hein von Altmühldorf und Kirchenmaler Keilhacker, Taufkirchen), daneben je ein Putto. Rechts: Figur des hl. Nikolaus, 18. Jh. An den Langhauswänden Kreuzweg, Öl auf Leinen, spätes 18. Jh. (ursprünglich größeres Format, dann verkleinert).

An der Nordwand Kanzel; Kanzelkorb mit reicher Stukkierung (Bandel- und Gitterwerk), geschwungener Schalldeckel mit schabrackenartiger Einfassung.

Turm mit quadratischem Grundriß an der Westseite der Kirche, Höhe 40 m. Unteres Geschoß noch spätgotischer Baubestand, in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erhöht, drei hohe Schallöffnungen mit Sandsteinumrahmung im Glockenstuhlgeschoß, Turmabschluß durch starkes, profiliertes Gesims, Turmdach mit drei sich verjüngenden Kuppeln. Diese feingegliederte, vom Quadrat in das Zwiebelachteck übergehende Turmbekrönung zählt zu den formschönsten Beispielen dieser Art im Rupertiwinkel und ist ein Meisterwerk der Zimmermannskunst; ehemals mit Lärchenschindeln gedeckt, heute Kupferblech.

Archivalische Notizen

1691 wird vom Salzburger Konsistorium die Genehmigung erteilt zum Umgießen der schadhaften Glocke durch den Glockengießer Andreas Gartner von Salzburg. Eine Neueindeckung des Chors erfolgt 1725. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beläuft sich der Schätzwert der Kirche für die Brandversicherung immerhin auf 1200 El. Allerdings war es um die Ausstattung der Kirche nicht besonders gut bestellt, denn ein gleichzeitiges Inventar benennt nur 8 Altarleuchter, 4 Meßgewänder und 2 Turmglocken. 1835 war der Bauzustand der Kirche so gefährdet, daß im Inneren der Kirche das Gewölbe abgestützt werden mußte. Der aus der Gemeinde Fridolfing gebürtige Maler Johann Georg Weibhauser (1806-1879) schuf 1857 ein neues Altarblatt mit der Darstellung „St. Nikolaus in der Glorie", das sich heute in der Sakristei befindet. — 1948 erhielt die Kirche ein neues Geläut; vorhanden sind drei Glocken.

Umfassende Renovierungsmaßnahmen erfolgten 1932, 1959 und 1989 (Turm).

 

Quelle: Heimatbuch der Gemeinde Ainring