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Die Pfarrkirche St. Martin in Thundorf

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Thundorf wird erstmals 930 als „Tunnindorf" überliefert, als der Domdekan Liutfredus seine Eigenrechte, welche ihm die Brüder Fricho und Selpker von Thundorf übertragen hatten, an Erzbischof Odalbert übergibt. Thundorf und Bach bildeten wohl bereits im 10. Jahrhundert einen geschlossenen Besitz des Domkapitels, wodurch Thundorf schließlich zum Mittelpunkt eines kleinen Amtes wurde, zu welchem im Jahre 1392 80 Anwesen in 29, zum Teil weiter entfernten Orten zählten.

Einzelfunde aus der Bronzezeit, der Römerzeit und bajuwarischen Reihengräber weisen auf die frühe Besiedelung dieses Raumes wie auch auf eine Siedlungskontinuität in nachrömischer Zeit hin. Das Patrozinium St.Martin, des fränkischen Reichsheiligen der Merowingerzeit, spricht zugleich für das offenbar frühe Entstehen einer kleinen Kirche auf der Anhöhe des Siedlungsgeländes.

Die — mit Ausnahme des westlichen Turms — 1921 abgebrochene Kirche wird in den Kunstdenkmälern des Königreiches Bayern 1905 wie folgt beschrieben: „Erbaut im 15. Jahrhundert, wohl unter Verwendung romanischer Langhausmauern; im 17. Jahrhundert durch ein Seitenschiff vergrößert und verändert. Nicht eingezogener Chor, durch fünf Achteckseiten gebildet. Langhaus mit drei Jochen. Turm westlich. Sakristei südlich. Gekehlte Wandpfeiler, denen Runddienste ohne Kapitelle vorgelegt sind. Tonnendecke mit Stichkappen. Auf der Westempore gotisches Gestühl von sehr einfachen Formen, mit vier Sitzen; Flachschnitzereien, die Armlehnen ruhen auf Säulchen, 15. Jahrhundert".

Es liegt nahe, daß das ursprünglich romanische Langhaus in der Spätgotik eine Einwölbung sowie eine Erweiterung nach Osten durch einen Chor mit Fünfachelschluß erfahren hat. 1688 erfolgte die Anfügung eines Seitenschiffes an der Südseite der Kirche, wofür 1689 ein eigener Altar angeschafft wurde.

1706 war erneut eine Erweiterung der als eng bezeichneten Kirche vorgesehen, wofür sogar am 8. Juni die Genehmigung erteilt wurde. Voraussetzung für diese Baumaßnahme war die Mitwirkung der Bevölkerung durch die Herbeischaffung des Materials. Die veranschlagten Kosten werden mit 299 fl benannt. Am 2. März 1708 drängte der Teisendorfer Dechant Wolfgang Ferdinand Kirchhofer in einem Schreiben an den Staufenecker Pfleger Freiherr von Pranck auf die rasche Verwirklichung des Vorhabens; in diesem Zusammenhang bezeichnet er das Gotteshaus als „ruinosirte Kirche". Schließlich erfolgte am 17. April 1708 eine Besichtigung durch die Bausachverständigen Simon Kendler, Hofmaurermeister, und Leonhard Eder, Zimmermeister im Staufenecker Gericht. Ihre Vorschläge: Ein Oratorium soll angebaut werden, das viel zu niedrige Gewölbe des Langhauses soll abgeschlagen, die Kirche verbreitert und neu eingewölbt werden, der Eingang zur Kirche soll künftig vom Turm her erfolgen, um dadurch mehr Platz zu gewinnen. Die geschätzten Kosten wurden mit 1800 fl angesetzt.

Inwieweit alle diese Vorschläge verwirklicht wurden, läßt sich nicht mehr nachvollziehen. Jedenfalls dürfte das Tonnengewölbe in den folgenden Jahren eingezogen worden sein. 1739 wurde der Turm erneuert und erhielt die noch erhaltene Turmbedachung mit gedrückter Zwiebel, ähnlich den Gurker Domtürmen. Für das „Thurngebey" streckte die Pfarrei Ainring in diesem Jahr 142 fl vor. Über die St. Sebastiani-Bruderschaft von Feldkirchen gelangte 1752 ein Uhrwerk auf diesen Kirchturm.

Über die bauliche Entwicklung wie über die Ausstattung der Kirche während des 17. und 18. Jahrhunderts sind wir nur sehr ungenügend informiert, da die Kirchenrechnungen erst 1742 einsetzen und auch in der Folgezeit Lücken aufweisen.

Aus dem Jahre 1822 ist überliefert, daß „der Wind das Kirchendach ganz verrujiniert hat" und Zimmermeister Leopold Ziegler von Pirach mit den Ausbesserungsarbeiten betraut war. Der Auferstehungschristus wurde von Franz Kagerer, Maler zu Teisendorf, renoviert, wobei das „Gold im Mantel" auszubessern war. 1826 erhielt die Kirche die ausgediente Orgel von Ainring, die sich aber als unbrauchbar erwies. Dies berichtet der öfters mit dem Organistendienst betraute Teisendorfer Schullehrer Sebastian Mutzl; er schlägt den Kauf der Orgel des Simon Gehmacher, Reitersohn am Berg bei Teisendorf, vor, die dieser zum günstigen Preis von 175 fl abgeben würde. Simon Gruber, der Gemeindevorsteher von Thundorf, spricht sich jedoch gegen einen solchen Kauf aus — und so blieb es bei der schadhaften Orgel. Immerhin wurde 1831 die Besoldung für den Organisten von 4 auf 8 fl angehoben, und auch die Kirchensänger erhalten jährlich 3 fl.

Nach einem Inventar von 1834 verfügt die Kirche über folgende bewegliche Gegenstände: 20 Leuchter, 13 Meßgewänder, eine neue Muttergottesstatue, 4 Muttergotteskleider mit Schleier, 14 Altarbüsche, dann Statuen, Bilder und Reliquienpyramiden, weiter 4 Kutten (für die Himmelträger).

 

Vorgesehener Erweiterungsbau

Die beengten, aber auch unansehnlichen räumlichen Verhältnisse führten schon 1877 zu Überlegungen, die Thundorfer Kirche zu erweitern. Kooperator Johann Evang. Fing begann am 21. Oktober dieses Jahres (Kirchweihtag) mit der Sammlung von Beiträgen für die Erweiterung der Kirche. 1879 wurde bereits ein erster Kostenvoranschlag für dieses Vorhaben vorgelegt, der sich auf 17.745 Mark belief. Nach den Plänen sollten Chor, Turm, Sakristei und die südliche Außenwand des Seitenschiffs erhalten bleiben, das Langhaus also nur in verbreiteter Form neu erbaut werden. Der Zeit entsprechend war eine neuromanische Form vorgesehen mit einem „byzantinischen Kuppelgewölbe" und gekoppelten Rundbogenfenstern.

Um Geldmittel zu beschaffen und staatliche Zuschüsse zu erhalten, wurde 1888 ein „Bau-Verein St. Martin" gegründet, dessen Statuten 7 Seiten umfassen.

In einem Schreiben des Pfarramtes Ainring an das Laufener Bezirksamt vom 21. Juni 1889 werden folgende Gründe für den Erweiterungsbau angeführt: Durch den Mangel an Raum leidet die Würde des Gottesdienstes, indem die Bewegungen des Priesters und der Altarbediensteten nach allen Seiten hin behindert werden. So z. B. befinden sich die Schulkinder im Presbyterium in unmittelbarer Nähe des Altars, daß kaum Raum bleibt für die nötige Altarbeleuchtung. Weitere Mißstände ergeben sich bei den Opfergängen. Auch sanitäre Gründe werden angeführt: Enges Gedränge, schlechte Atmosphäre, Erkältungsgefahr, Lebensgefahr wegen der Enge des Ausganges. Und was den architektonischen Wert des gegenwärtigen Gotteshauses betreffe, so ist er „in gewisser Beziehung sogar unästhetisch und störend". Der Musikchor ist nur durch einen engen und steilen Aufstieg möglich, der „für Frauen und Mädchen fast eine Verletzung des Schamgefühls mit sich bringt". Diese Empore wird mit einem Schwalbennest verglichen, weil sie so nahe am Gewölbe angebracht und finster ist; nur in der Mitte kann man aufrecht stehen, neben der Orgel ist nur ein Verweilen in gebückter Haltung möglich. Nachdem die Empore bis nahe ein Drittel in das Kirchenschiff ragt, ist es auch in der Kirche ziemlich finster. Auch die Sakristei ist so klein, daß sich der Priester kaum ankleiden kann. Die Paramente werden aus Platzmangel ohnehin im Schulhaus verwahrt.

Den Plan für den Erweiterungsbau hatte der Architekt und Salzburger Stadtbaumeister Jacob Ceconi erstellt, der auch die Zustimmung der Baubehörde (Architekt Müller) gefunden hat. Am 28. März 1892 wendet sich die Kirchenverwaltung an die Kammer der Abgeordneten, um einen Zuschuß für den Kirchenbau zu erhalten, der dann 1893 in Höhe von 3000 Mark genehmigt wird. Weitere Zuschußgesuche folgen, da sich die eigenen Mittel des Vereins nur mäßig erhöhen. Zunächst wird ab 1890 mit der Friedhof-Neuplanung begonnen, was aber erst 1910 dazu führt, die Beerdigungen um Chor und Sakristei einzustellen.

Inzwischen hatte man von dem ursprünglichen Plan des Architekten Ceconi (1889) wieder Abstand genommen und neue Pläne von den Architekten Huth und Götzinger (1913) anfertigen lassen, die bereits die vollständige Beseitigung der Kirche, mit Ausnahme des Turmes, vorsahen. Allerdings fanden diese Neubaupläne keineswegs die Billigung der kirchlichen Oberbehörde und des Generalkonservatoriums (heute Landesamt für Denkmalpflege). Von der letztgenannten Behörde fand sich Konservator und Professor Angermaier bereit, einen Plan zu erstellen, der allen Ansprüchen gerecht werden sollte. Nach dreimaliger Planänderung gab schließlich die Generalversammlung des Kirchenbauvereins im Jahre 1917 einstimmig diesem Projekt seine Zustimmung. Der Erste Weltkrieg hatte inzwischen seinen schicksalhaften Höhepunkt erreicht, es fehlte an Bauleuten und Handlangern, so daß das Vorhaben zurückgestellt werden mußte. Die unmittelbare Nachkriegszeit mit der Revolution ließ den Baubeginn fast wieder in die Ferne rücken. Pfarrer Triller schreibt darüber: „Der zersetzende Einfluß übte gar bald auch seine Wirkung auf den Kirchenbau in Thundorf aus. Sprüche wie ‘Wir zahlen und dann haben auch wir zu bestimmen, wie die Sache werden muß, wenn der Staat und die Beamten uns da dreinreden wollen, dann sollen sie auch das Geld dazu hergeben‘. Der Plan von Professor Angermaier wurde auf einmal als ganz ungeeignet befunden und von den Thundorfern verworfen, ohne den Vorstand der Kirchenverwaltung auch nur eine geringste Mitteilung zu machen..

Der Kirchenbauverein hatte sich schon 1919 für einen anderen Architekten ausgesprochen, für Josef Aicher, der zu dieser Zeit in München Architektur studierte, Sohn des gleichnamigen Maurermeisters von Straß. Pfarrer Triller war von diesem Wechsel wenig erbaut, da Aichers Plan einen kleineren Bau und weniger schmückendes Beiwerk vorsah. Josef Aicher nahm die Verbindung mit Professor Angermaier, dem Ersteller des ursprünglichen Planes, auf, ebenso mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Baureferat des Ordinariats. Nachdem als beratender Architekt noch Aichers Lehrer Professor Richard Berndl beigezogen wurde, gaben die genannten Stellen ihre Zustimmung, ebenso auch der „Kunstbauausschuß" der Regierung. Freilich kam es noch zu verschiedenen kleineren Änderungen des Planes. Der Verwirklichung des Bauvorhabens, das inzwischen auf 110.020 Mark geschätzt wurde, stand nun nichts mehr im Wege.

 

Abbruch und Neubau der Kirche

Damit die seelsorgliche Betreuung der Bevölkerung während des Kirchenbaues gewährleistet wird, bestimmte das Ordinariat, daß die Gottesdienste an den Sonn- und Feiertagen in der Filialkirche Straß abgehalten werden. Gleichzeitig wird die Einrichtung eines Betsaales in der Schule genehmigt, wo die Werktagsmessen, vorwiegend für die Kinder, gefeiert werden können; dort wurde auch das Allerheiligste aufbewahrt. Ebenso erhält der Kooperator die oberhirtliche Erlaubnis, vom 1. April an die von der Gemeinde bereitgestellte Wohnung in Thundorf zu beziehen und dort als exponierter Kooperator zu wirken.

Am 2. März 1921 wurde schließlich mit dem Abbruch der Kirche begonnen, wobei auch das Fragment eines römischen Meilensteines zum Vorschein kam. Anfang April konnten bereits die Fundamente gesetzt werden. Bei der offiziellen Grundsteinlegung zu Georgi (23. April) standen schon ganz ansehnliche Mauerzüge und im Juni war der Rohbau vollendet. Die Pläne von Josef Aicher jun. kamen vollständig zur Verwirklichung; dessen Vater Josef Aicher von Straß nahm unter Oberaufsicht von Prof. Berndl die Bauleitung wahr.

Am Bau waren außerdem folgende Handwerker beteiligt: Zimmermeister Waldhutter von Thundorf, Schreinermeister Enzinger von Freilassing (Holzdecke, Türen, Stiegen), Spenglermeister Bogner von Laufen, Zimmermeister Eisl von Teisendorf (Holzböden), Schreinermeister Aicher von Patting (Kirchenstühle), Glaser-meister Penzberger von Teisendorf, Schlossermeister Schulz von Traunstein (Türbeschläge), Malermeister Vitztum von Teisendorf. Die Orgel kam aus der Werkstatt Mertl und Dreher in Salzburg, das Gehäuse schuf Schreinermeister Edfelder von Vachenlueg.

Die ganze Kirchengemeinde leistete Scharwerksarbeiten und lieferte Baumaterialien. Vorsitzender des Kirchenbauvereins war zu dieser Zeit Ludwig Reichenberger (Fuchsbauer).

Nach dieser kurzen Bauzeit, die nur durch das Zusammenwirken aller Gemeindemitglieder möglich gemacht worden war, konnte bereits am 30. Oktober 1921 die Einweihung der Kirche durch Erzbischof und Kardinal Michael von Faulhaber erfolgen.

Freilich, an der Ausstattung der Kirche fehlte es noch. Inzwischen war die Inflation rasch vorangeschritten und machte die Verwirklichung weiterer Vorhaben zunichte. Die Geldentwertung wirkte sich auch auf die Honorierung des Architekten Josef Aicher mehr als nachteilig aus. Verständlicherweise drängte er darauf, ihn mit Naturalien statt mit wertlosem Papiergeld zu vergüten, aber es blieb bei einer Summe, die dann kaum noch für eine Brotzeit reichte! Trotzdem hatte sich Josef Aicher auch weiterhin bemüht, eine dem Bau entsprechende Ausstattung zu entwerfen und deren handwerkliche und künstlerische Ausführung zu betreuen.

1931 legte er den Entwurf für den Hochaltar vor, der die uneingeschränkte Zustimmung des Ordinariats fand. 1939 wird der linke Seitenaltar (Marienaltar) von Bildhauer Engelbert Hein von Altmühldorf verfertigt, der im gleichen Jahr die Allerseelengruppe liefert (Fassung Peter Keilhacker, Taufkirchen a. d. Vils). Erst 1949/50 kommt es zur Errichtung eines neuen Hochaltares, wobei der alte in Zahlung gegeben wurde. Den plastischen Schmuck lieferte wiederum Bildhauer Engelbert Hein (Ornamente, Figuren hl. Rupertus und Korbinian, Gottvater im Aufsatz, 2 Engel mit Voluten, Tabernakel). Mit den Faßarbeiten war Ludwig Keilhacker, mit den Schreinerarbeiten Georg Sinseder von Töging betraut. Das Altargemälde schuf Kunstmaler Ernst Kozier (?) aus München.

Die Kirche besaß vor dem Zweiten Weltkrieg 3 Bronzeglocken, die während des Krieges abgeliefert werden mußten. 1949 erhielt die Kirche 3 Stahlglocken, deren Weihe der Salzburger Weihbischof Johannes Filzer vornahm.

1967 erfolgte die Anschaffung einer neuen Orgel, womit die Ausstattung der Kirche weithin abgeschlossen war. Der Kirchenbauverein wurde mit 15. November 1970 aufgelöst.

 

Beschreibung der Innenausstattung

Hochaltar: Altarbild mit Darstellung des hl. Martin, darunter Ansicht der Pfarrkirche Thundorf mit Filialkirche Straß, von Ernst Kozier (?), München. Plastiken links hl. Rupertus, rechts hl. Korbinian, Auszug Gottvater mit Weltkugel, von Engelbert Hein, Altmühldorf, Fassung von Peter Keilhacker, Taufkirchen.

Linker Seitenaltar: Marienaltar. Halbplastische Maria mit Kind auf Wolken, umgeben von einem Strahlenkranz mit Puttenköpfen, von E. Hein. Figuren links hl. Johannes Evangelist, rechts hl. Jakobus (wohl 18. Jh.), Auszug Halbplastik hl. Elisabeth. Auf dem Gebälk 2 Putten, 18. Jh.

Rechter Seitenaltar: Josefsaltar. Plastik hl. Josef mit Jesuskind auf Wolken stehend. Links hl. Sebastian, rechts hl. Leonhard. Auszug hl. Florian (in Anlehnung an die Darstellung des hl. Florian von Thomas Schwanthaler in der Stadtpfarrkirche Ried im Innkreis).

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Quelle: Heimatbuch der Gemeinde Ainring